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Adventszeit in Bühl

Halbzeit, noch genau zwei Wochen bis Heiligabend. Ich bin der Meinung, es wird langsam Zeit, die Tage bis Weihnachten etwas ruhiger anzugehen und die winterliche Stimmung so richtig zu genießen. Nachdem im letzten Jahr kurzerhand mein Kaktus zum Weihnachtsbaum umfunktioniert wurde, habe ich dieses Jahr entschieden, dass ein real existierender Weihnachtsbaum, mit allem was dazu gehört, her muss. Auch wenn die Tage kurz sind – am Wochenende möchte ich mir ein paar Stunden an der frischen Luft gönnen, beste Voraussetzungen für einen Adventsausflug. Ein wenig Recherche auf dem Sofa kann nicht schaden und die bringt mich dann auch ordentlich zum Schmunzeln. Denn wer hätte gedacht, dass die Weihnachtsbaumkönigin, des Bundesverbandes deutscher Weihnachtsbaumerzeuger nicht etwa am Nordpol beheimatet ist, sondern in diesem Jahr aus Karlsruhe kommt. Aber es kommt noch besser, denn ich finde auch noch heraus, dass der Vorsitzende des Christbaumverbandes Baden-Württemberg e.V., Manfred Graf, doch tatsächlich aus Bühl kommt. Mein Entschluss steht fest, auch wenn mein Auto aktuell in der Werkstatt steht, ein Leihwagen muss her. Denn, das sperrige, harzige, stachelige Etwas – also mein zukünftiger Weihnachtsbaum – muss schließlich transportiert werden. Der Leihwagen kommt ganz nobel mit Allrad daher, was an diesem Sonntagmorgen auch verdammt gut ist. Die Temperaturen belaufen sich mittlerweile um den Gefrierpunkt und passend zu meiner frisch entflammten Weihnachtsstimmung hat sich Frau Holle entschlossen ihre Bettwäsche mal so richtig auszuschütteln. Es schneit als gäbe es kein Morgen und so verspricht der Adventssonntag Stimmung pur. Ich finde den Weihnachtsbaumverkauf von Herrn Graf sofort. Direkt gegenüber den Affentaler Winzern ist er kaum zu verfehlen. Begrüßt werde ich von Prazzo, dem aufgeweckten Weimaraner der Familie Graf, dem der Schnee sichtlich Spaß macht und der mindestens so aufgeregt ist wie ich. Mein erster eigener Weihnachtsbaum. Zur Begrüßung gibt es erst einmal einen Glühmost. Lecker! Bevor wir uns gemeinsam aufmachen und einen Baum aussuchen, kann ich mich nicht zurückhalten ein paar Fragen zu stellen. Immerhin ist Manfred Graf der 1. Vorsitzende des Christbaumverbands Baden-Württemberg, also fast so eine Art offizieller Mitarbeiter des Weihnachtsmannes.Brennend interessiert mich zum Beispiel, wie hoch der Durchschnittsbaum der Deutschen ist, ob es Bio- oder Billigbäume gibt, oder gar vegane Bäume, wer sucht in seiner Familie den Baum aus und natürlich, was macht ein Weihnachtsbaumverkäufer denn so im Sommer. Ich erfahre, dass ca. 50 % aller verkauften Bäume zwischen 160 und 200 cm hoch sind und es in etwa 8 bis 9 Jahr dauert, bis diese Durchschnittshöhe erreicht ist. „Biobäume“ gibt es wirklich, aber die haben nur einen Marktanteil von einigen Promille (nicht Prozent!). Meinen Scherz mit dem veganen Weihnachtsbaum hat er natürlich verstanden und lacht nur, interessant ist aber, dass in den letzten Jahren die „Regionalität“ zunehmend nachgefragt und gute Beratung honoriert wird. Billigbäume gibt es gottlob kaum mehr, sagt er. Und wenn, dann meist in furchtbaren Qualitäten, die der Verbraucher auch sofort erkennt. Seine Weihnachtsbaumwahl ist nicht ganz so romantisch wie ich es mir vorgestellt hatte. Er nimmt am 22. oder 23. Dezember einfach einen Baum vom Hof mit rein. Egal welchen. Hauptsache die Größe passt. Schön finde ich allerdings, dass nach seiner Meinung, der Baum gerne einen „Makel“ haben darf. Das schafft Charakter, meint er. Meine Frage auf die weihnachts-baumfreie Zeit beantwortet er wieder mit einem herzhaften Lachen: „Ich liege in Malle an einem Pool und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen.“ Das ist aber eher sein Wunsch, denn die Weihnachtsbaumzucht ist ein Fulltime-Job: Bäume müssen das ganze Jahr über gepflegt werden. Zum Schluss hat er dann noch eine Info für mich, die mich und meinen Staubsauger hoffen lässt: “Der frisch geschlagene und sofort im warmen Zimmer aufgestellte Baum hält weniger lange als ein bereits einige Tage abgelagerter Baum. Das hat mit dem Gasaustausch der Nadeln nach dem Einschlag zu tun.“
Mit meinem Weihnachtsbaum im Kofferraum, der zugegeben dem Durchschnitt der deutschen Weihnachtsbäume entspricht, verspüre ich etwas Bewegungsdrang und fahre direkt zur Kunsteisbahn auf den Wiedenfels hoch. Angst hab ich keine, denn Schlittschuhlaufen ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht, nur die Fallhöhe nimmt zu! Allerdings ist Frau Holle heute etwas unentschlossen. Die Temperatur ist plötzlich von unter null auf frühlingshaft angestiegen, der Schnee hat sich in Regen verwandelt und ein veritabler Sturm pfeift durch den Wald. Da es mein allererster Besuch auf der Eisbahn ist, haut mich die Aussicht fast um. Einfach überragend. Tolle Blockhausatmosphäre und der schneebedeckte Steinbruch im Hintergrund der Eisbahn vervollständigen die großartige Atmosphäre. Da sich durch den Regen allerdings große Pfützen auf der Bahn gebildet haben, sinkt meine Motivation schnell. Ich einige mich mit den Betreibern auf eine Gutschrift für meinen nächsten Besuch. Da der Adventssonntags-Plan jetzt etwas durcheinander gekommen ist, beschließe ich kurz auf den Bühler Adventsmarkt zu fahren und mich etwas zu stärken. Eigentlich war mein nächstes Ziel, der Sternenweg im Bühlertal. Ein 3 km langer Rundweg bei dem Bürger 18 Stationen zum kurzen Innehalten eingerichtet haben, aber ich bin der Meinung, dafür muss es richtig dunkel sein.
Auch den Bühlern muss Frau Holles Stimmungsschwankung etwas auf den Magen geschlagen sein, der Besucherandrang ist bei diesem Wetter überschaubar. Was meinem Magen aber nicht stört und ich freu mich über Wild-Merguez, die ganz hervorragend schmecken.

Und ein paar Bekannte habe ich dann doch auch noch getroffen.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz sehe ich, dass die Inhaberin des TeeDeum, einem entzückenden Geschäft, gerade am Umdekorieren ist. Die Gelegenheit kommt mir entgegen, um mir ein paar Inspirationen zu holen und etwas durch ihre Weihnachtsdekorationen zu schnuppern, mein Weihnachtsbaum will schließlich noch geschmückt werden. Jetzt schnell noch ein paar Pralinen bei Böckeler’s (Sohn Fabian hat gerade kürzlich bei den World Skills in Abu Dhabi den 7. Platz belegt) eintüten.

Dann geht´s endlich los nach Bühlertal. Zwischenzeitlich ist es dunkel und zum Glück auch trocken – meine besinnliche Adventswanderung kann starten. Es sind doch noch einige Spaziergänger unterwegs und ich komme mit dem ein oder anderen ins Gespräch und genieße die herzliche Adventsstimmung und die lichterschimmernde Aussicht ins Tal. Dabei überkommt mich ein entspannendes Gefühl und ich denke, Weihnachten kann kommen.

Links:

Dreiländereckhof
Gerstenmaier Skoda Bühl
Kunsteisbahn am Wiedenfelsen
TeeDeUm
Böckeler