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Gertelbach

Ich dachte mir für diesen etwas trüben Sonntag, wie wäre es heute mit ein bisschen outdoor adventure, statt nur faul im Bett zu liegen. Nicht zu weit weg und auch nicht zu anstrengend, ist schließlich Sonntag und so ein Samstagabend muss auch noch verarbeitet werden. Also spontan Sachen gepackt, einen Freund angerufen und los geht´s auf der Autobahn in Richtung Bühl, genauer gesagt in´s Bühlertal. Schon kurz nach Bühl geht es in Richtung Schwarzwaldhochstraße in die Berge und bei der Fahrt durch die wilde Natur kommt schon echtes Urlaubsfeeling auf.Wir entschließen uns, auf dem Parkplatz beim Wiedenfelsen am oberen Einstieg der Wasserfälle zu parken und genießen erst einmal die großartige Aussicht bis weit in die Rheinebene. Trotz des aufziehenden Nebels kann man von hier aus sogar die Vogesen in Frankreich sehen. Während wir uns noch etwas ratlos eine Route auf der Karte aussuchen, gesellt sich eine kleine Wandergruppe zu uns, die uns nicht nur „sympathisch badisch“ die wohl schönste Strecke verrät, sondern uns direkt anbietet, mit ihnen zusammen loszulaufen.Wir freuen uns über dieses Angebot und merken schnell, das wird ein Spaß. Die Gruppe stellt sich als “Einheimische“ heraus und neben interessanten Tipps für die Region haben sie viel zu erzählen. Gerade noch den Blick über den Horizont genossen, tauchen wir in ein in ein grünes Meer aus Bäumen, Farnen und Wurzeln ein. Schon nach wenigen Metern haben wir das Gefühl, in einer völlig anderen Welt angekommen zu sein.Kein durchgestylter gradliniger Weg, keine Verbotsschilder oder Zäune – nicht nur gefühlt: Natur pur, die ich so zuletzt bei meinem Auslandssemester in Vancouver erlebt habe. Das war nicht immer so, erzählt mir Albert. Durch die Nähe zu Baden-Baden waren die im 19. Jahrhundert „Gertelbachschlucht“ genannten Wasserfälle ein beliebtes Ausflugsziel. In dieser einzigartigen Landschaft mit riesigen Granitfelsen wurde der heutige Wanderpfad bereits 1889 durch den „Verschönerungsverein“ Bühl und die badische Forstverwaltung angelegt – sie waren schon damals ein Magnet für viele Besucher. Unser Glück, heute wirken die Wasserfälle wie in eine Art Dornröschenschlaf gefallen und teilen nicht das Schicksal von Triberg, mit unzähligen Touristen direkt aus dem Bus. So haben wir den Weg fast für uns alleine. In der fast schon kitschig schönen Postkarten-Idylle überrascht auch die Flora und Fauna. Neben Johanneskraut, das ich daran erkenne, dass es meine Finger lila färbt, wenn ich es zerreibe, zeigt mir Volker auch einen gigantischen Fingerhut.Der ist zwar hochgiftig, wird aber scheinbar auch bei Herzerkrankungen verwendet. Lustig finde ich die Geschichte, dass böse Feen die Blüten einst den Füchsen als Handschuhe geschenkt haben, damit diese dann lautlos die Hühnerställen ausräumen konnten. Dazu passt dann, dass auch noch ein kleiner grüner Grasfrosch unseren Weg kreuzt.Bevor sich unsere Wege wieder trennen, werden wir von Albert, Volker und den anderen zu einer zünftigen Brotzeit eigeladen, Affentaler Wein inklusive.Da der Tag noch jung ist und wir hochmotiviert sind, noch weiter zu wandern, entscheiden wir uns, mit Melissa, Nik und Caroline in Richtung Neusatz weiter zu laufen. Die drei sehen jetzt auch nicht gerade aus wie die traditionellen Wanderer, sind aber mit Wanderschuhen ausgestattet, die bei dem nassen Gras durchaus Vorteile haben, wie ich feststellen muss.Dabei erzählen sie mir noch, wie sie sich kennengelernt haben und dass sie eigentlich nur deshalb Wanderschuhe besitzen, weil sie für eine Alpenüberquerung trainieren. Die drei verbringen gerne ab und zu ein Wochenende bei ihren Eltern in Neusatz – sie finden es großartig, jedesmal Neues in der Heimat zu entdecken. Happyness kann so einfach sein, denk ich mir.Gerade als wir uns an unserem Zielpunkt, dem Parplatz am Immenstein, verabschieden wollen um zu unserem Ausgangspunkt zurück zu laufen, fängt es an zu regnen. Ich bin zwar nicht aus Zucker, aber wir nehmen das Angebot unserer Begleiter trotzdem gerne an, uns kurz mit dem Auto zum Wiedenfelsen zurück zu bringen.Nicht nur die Aussicht aus dem Panoramadach beindruckt, sondern auch wie schnell wir die Höhenmeter überwunden haben. Nach kurzer Verabschiedung geht´s dann auch direkt wieder völlig entspannt zurück nach Hause.

Gertebachfälle Anfahrt: Autobahnausfahrt Bühl, weiter in Richtung Bühlertal. Beschilderung Schwarzwaldhochstraße auf der L 83 bis zum Eventhaus Wiedenfelsen folgen. Parkplatz direkt neben an.

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